LIBYEN – Exklusiv aus Libyen: Der Tod lauert an jeder Ecke – Blick hinter die Kulissen der IS-Bombenindustrie – russiatoday – 08.09.16

Veröffentlicht: September 8, 2016 in Afrika, EUROPA, USA
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Exklusiv aus Libyen: Der Tod lauert an jeder Ecke – Blick hinter die Kulissen der IS-Bombenindustrie

Obwohl der IS weitgehend vertrieben ist, lauern zahlreiche Gefahren auf libysche Soldaten in Sirte - von nicht explodierten Blindgängern, Mörserfeuer und Sprengfallen bis hin zu IS-Terroristen, die den Regierungstruppen Hinterhalte legen.

Obwohl der IS weitgehend vertrieben ist, lauern zahlreiche Gefahren auf libysche Soldaten in Sirte – von nicht explodierten Blindgängern, Mörserfeuer und Sprengfallen bis hin zu IS-Terroristen, die den Regierungstruppen Hinterhalte legen.
An der Frontlinie des Kampfes gegen die Terrormilz „Islamischer Staat“ in der Hafenstadt Sirte hat RT-Reporter William Whiteman libysche Regierungstruppen besucht. Immer noch lauern tödliche Fallen, die der IS hinterlassen hat, an jeder Ecke.

Während die Dschihadisten bereits aus den meisten Vierteln von Sirte vertrieben wurden, finden sich nach wie vor, als harmlose Alltagsgegenstände getarnt, zahlreiche Sprengfallen in der Stadt wieder. Kämpfer der regierungsnahen Misrata-Miliz, die in der Küstenstadt gegen den IS vorgeht, zeigten RT-Reporter Whiteman ein typisches Beispiel für eine solche Höllenmaschine. So hinterließ der IS mitten auf einem öffentlichen Platz eine Sprengfalle, die äußerlich an eine menschenähnliche „Puppe“ erinnerte. Diese Figur war mit einem losen T-Shirt bekleidet und war in eine Decke mit Blumenmustern eingewickelt.

Auf eine noch gefährlichere Falle stieß Whiteman, als die RT-Crew auf ihrem Weg durch die umkämpfte Stadt angesichts einer nicht explodierten Mörsergranate ihre Autofahrt unterbrechen musste. Die Granate steckte mit dem Sprengkopf nach unten zur Hälfte in der Straße. Auf der Suche nach Utensilien für eine provisorische Warnabsperrung entdeckte das Team von Whiteman einen weiteren Sprengkörper, der in einem Leitkegel verstreckt war.

„In der naheliegenden Vorahnung, dass die libyschen Regierungstruppen das nicht explodierte Projektil auf der Straße markieren wollen würden, positionierte der ‚Islamische Staat‘ in der Nähe einen Leitkegel, in den man eine Bombe eingebaut hatte“, erklärte Whiteman.

Der IS unterhielt in Sirte zahlreiche Bombenfabriken. Die Hafenstadt, die in Reichweite großer Erdölquellen liegt, befand sich seit Juni 2015 unter der Kontrolle der Terrormiliz. Um einen seltenen Einblick in die „Bomben-Baukunst“ des IS zu bekommen, traf sich Whiteman mit Angehörigen eines Pionierbataillons. Dieses hatte erst kurz zuvor fünf Sprengfallen entschärft. Gemeinsam mit den Militärangehörigen erhielt der RT-Reporter die einmalige Chance, eine IS-Selbstmordweste aus der Nähe zu untersuchen. Diese war mit Schrauben und Kugellagern gefüllt, um die Sprengwirkung zu maximieren.

„Sie binden sich mit diesem Band den Gurt im Grunde um die Brust“, erklärte Whiteman. „Wenn er in die Luft geht, dann verstreut sich die Ladung überallhin. Es ist wirklich schauerlich, all dieses Zeug aus der Nähe zu sehen“, sagte Whiteman. Erst vor einigen Tagen versuchte ein IS-Selbstmordattentäter in einem mit Bomben beladenen Auto, die Verteidigungslinie der regierungsnahen Rebellen in Sirte zu durchbrechen. Das RT-Team hatte die Einheit zufällig exakt an diesem Tage begleitet. Der Anschlag konnte in letzter Sekunde verhindert werden, als Regierungskämpfer das Auto mithilfe einer Panzerfaust zum Stoppen brachten.

Da es den libyschen Truppen gelang, den IS von seinen Versorgungsrouten nach Sirte abzuschneiden, gingen der Terrormiliz wichtige Komponenten für den Bombenbau aus. Daraufhin griffen die Extremisten auf einfache, doch mindestens genauso effektive Sprengfallen zurück. Viele Sprengkörper werden inzwischen alternativ mittels medizinischer Komponenten oder Alltagsgegenstände im Haushalt gebaut.

Beispielsweise zeigte ein Pionier, wie der IS aus einer gewöhnlichen medizinischen Spritze einen lebensbedrohlichen Sprengsatz baute. Oder wie Timer aus einer Waschmaschine dazu verwendet wurden, um eine Zeitbombe zu entwickeln.

„Man kann es nach unten klicken hören. Sie lassen die Bombe einfach im Auto oder sonstwo. Wenn libysche Truppen vorrücken – Boom, geht sie hoch. Die Bombe tötet eine ganze Menge an Menschen“, sagte Whiteman. „Obwohl die Technik sehr einfach ist, ist sie sehr effektiv. Das ist der Grund, warum es so schwer ist, den IS aus der Stadt zu drängen. Sie sind in der Nutzung von Bomben sehr versiert.“

Am Mittwoch bemerkte der US-Außenminister Ash Carter, dass die UN-gestützte libysche Regierung kurz davorstehe, den IS aus Sirte zu vertreiben. „Ich erwarte, dass sie die verbliebenen feindlichen Elemente in Kürze eliminieren können“, sagte er gegenüber Journalisten in London. Carter betonte, die US-Luftwaffe werde die libyschen Kräfte auch weiterhin unterstützen, bis Sirte komplett zurückerobert sei. Die libysche Regierung begann im Mai dieses Jahr mit ihrer Offensive gegen den IS.

 

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