USA – FRANKREICH – Die Kurdistan-Projekte – Thierry Meyssan – voltairenet.org – 05.08.16

Veröffentlicht: September 5, 2016 in England, EUROPA, Israel, SYRIEN, Turkey Politik, USA
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http://www.voltairenet.org/article193141.html
Die Kurdistan-Projekte

Das aktuelle von Frankreich und den Vereinigten Staaten unterstützte Projekt für Kurdistan hat nichts mit dem legitimen zu tun, das bei der Konferenz von Sèvres (1920) von den gleichen Ländern anerkannt wurde. Es betrifft überhaupt nicht das gleiche Gebiet! Dieses Pseudo-Kurdistan ist nur ein Köder des Westens, um die syrischen Kurden gegen Damaskus umzudrehen. Seine Gründung wäre keine Lösung der kurdischen Frage und würde einen Konflikt verursachen, der mit dem fast 70 Jahre alten Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern vergleichbar wäre. Um die aktuelle Situation zu entwirren, erläutert Thierry Meyssan hier die widersprüchlichen Positionen der neun wichtigsten ausländischen Mächte, die in diesen Fall verwickelt sind.

| Damaskus (Syrien) | 5. September 2016
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Die Kurden sind ein integraler Bestandteil der syrischen Gesellschaft. Hier die Statue des kurdischen Generals Saladin, „Sultan Saladin“ [al-Malik an-Nāṣir /‘der siegreiche Herrscher’] am Eingang der Altstadt von Damaskus. Er befreite Damaskus im Jahr 1174 und gründete die ayyubidische Dynastie.

Die Truppen-Bewegungen und die Schlachten im Sommer in Nord- Syrien sind für Beobachter Augen unverständlich. Dennoch verfolgt jede gegenwärtige Macht ihre eigenen Ziele mit Hartnäckigkeit.

Obwohl alle Protagonisten behaupten gegen Daesh zu kämpfen, bewegt sich das islamische Emirat wohl, aber zieht sich nur in die Wüste zurück. Das wirkliche Thema der Ereignisse ist aber die mögliche Schaffung eines Kurdistans auf Kosten der arabischen und christlichen Bewohner [1].

Hier ist eine Analyse der Kriegs-Ziele der dortigen hauptsächlichen Mächte, wobei klar ist, dass Syrien ein souveräner Staat ist und dass keiner der unten angeführten Protagonisten nicht das geringste Recht besitzt, Syrien zu amputieren, um einen neuen Staat zu schaffen.

Neun Antworten zur kurdischen Frage, wovon sieben illegal sind

1 – Daesh wird sich der Schaffung eines Kurdistan nicht entgegensetzen, solange es nicht östlich des Euphrat liegt

Das von John Negroponte, dann von General David Petraeus erstellte islamische Emirat im Irak, wird nach wie vor von ihm gesteuert. Letzterer vertraute den Befehl dieser Vereinigung der Muslim-Bruderschaft, der Naqchbandis und der syrisch-irakischen sunnitischen Wüstenstämme, der Türkei an.

So zogen sich die Dschihadisten, anlässlich der Einnahme vom Daesh-besetzten Jarablous durch die türkische Armee, ohne Kampf zurück, indem sie ihrem türkischen Mentor gehorchten.

Nach der Schlacht von Ain al-Arab (Kobané) hat Daesh das Prinzip eines Kurdistans akzeptiert, aber nicht östlich des Euphrat.

2- Die Vereinigten Staaten sind jetzt für die Schaffung eines Kurdistan in Syrien

Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson hatte während des ersten Weltkrieges die Schaffung von Armenien, Israel und Kurdistan als einige seiner Kriegsziele gesetzt. Am Ende des Konflikts schickte er die King-Crane Kommission zur Beurteilung der Situation. Diese erklärte:

« Die Kurden verlangen ein sehr großes Territorium, auf Grund ihrer Anwesenheit, aber weil sie mit Armeniern, Türken und Anderen sehr vermischt sind, und untereinander in Kizilbash [2] aufgeteilt sind, Schiiten et Sunniten, scheint es besser zu sein, sie auf das natürliche geografische Gebiet einzuschränken, das zwischen dem Vorschlag von Armenien im Norden und von Mesopotamien im Süden liegt, mit der Kluft zwischen Euphrat und Tigris als westliche Grenze und der persischen Grenze als östliche Grenze. (…) Es ist möglich, die meisten Türken und Armenier, die nur wenige sind, durch einen freiwilligen Austausch der Bevölkerung außerhalb dieses Bereichs zu bewegen und so eine Provinz mit etwa 1 Million Einwohnern, fast lauter Kurden, zu erhalten. Die Sicherheit der Chaldäer, Nestorianer und der syrischen Christen, die in der Region Leben, muss gewährleistet werden.“

Die King-Crane-Kommission besichtigte das Gebiet gerade am Ende des Christen-Massakers, das von 1894 bis 1923 dauerte, zuerst durch das Osmanische Reich und dann durch die Jungen Türken mit Hilfe des zweiten deutschen Reichs und der Weimarer Republik [3]. Sie zeigte sich als sehr vorsichtig über die Möglichkeit, Armenier in einem kurdischen Staat leben zu lassen, weil sie wusste, dass die Türken kurdische Kämpfer verwendeten, um Christen zu töten. Seit November 2015 versuchten die Kurden der YPD die assyrischen Christen im Norden von Syrien gewaltsam zu kurdisieren, was diese alte Wunde wiederbelebte [4].

Wie auch immer, ein Kurdistan entstand auf dem Papier durch die Konferenz von Sèvres (1920). Aber gegenüber der türkischen Revolte unter der Leitung von Mustafa Kemal entstand Kurdistan niemals und die Vereinigten Staaten verzichteten darauf durch den Vertrag von Lausanne (1923).

Es sei auf dieser von der Website „Die Schlüssel im Nahen Osten“ genommenen Karte darauf hingewiesen, dass Präsident Wilson geplant hatte, Kurdistan in der aktuellen Türkei und in einem kleinen Teil des aktuellen irakischen Kurdistan zu erstellen. Das aktuelle Syrien war überhaupt nicht von diesem Projekt betroffen.

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Während des türkischen Bürgerkrieges gab das Syrien von Hafez Al-Assad der PKK seine Unterstützung auf der Basis der Vorschläge von Präsident Wilson. Es gewährte dem Führer der PKK, Abdullah Öcalan, politisches Asyl, dessen schriftliches Versprechen lautete, niemals auf das syrische Territorium Anspruch zu erheben. Bei der Volkszählung von 1962 gab es nur 162 000 Kurden in Syrien, 1 Million Kurden suchten Zuflucht in Syrien und erhielten auch politisches Asyl. Sie sind jetzt 2 Millionen und haben im Jahre 2011 die syrische Staatsbürgerschaft bekommen. Zu Beginn des Krieges kämpften sie mit von Damaskus zur Verfügung gestellten Waffen und Gehältern gegen die islamistischen Söldner, um Syrien zu verteidigen.

Die Vereinigten Staaten versprachen dann verschiedenen kurdischen Führern im Irak, Syrien und in der Türkei, als sie ihre Meinung geändert hatten, ein Staat für sie in Syrien zu fertigen, falls sie sich gegen Damaskus wendeten. Manche haben das akzeptiert.

Anfang 2014, als die Gruppe von David Petraeus die Entwicklung von Daesh und die Invasion von Al-Anbar (Irak) geplant hatten, ließ sie die kurdische regionale Regierung Iraks die Ölfelder von Kirkuk erobern. Dies geschah ohne jegliche internationale Verurteilung, die Öffentlichkeit kümmerte sich nur um die begangenen Verbrechen von Daesh.

3- Russland unterstützt die Rechte der kurdischen Minderheit

Zunächst unterstützt Russland das Projekt einer autonomen kurdischen Region in Syrien nach dem Vorbild der eigenen autonomen Republiken. Eine Vertretung der YPG wurde im Februar in Moskau eröffnet.

Bei den empörten Reaktionen der Syrer wurde sich Russland jedoch bewusst, dass die Situation in diesem Land sich von der russischen unterscheidet. Die syrischen Minderheiten sind derart verschachtelt, dass es keine Region gibt, wo sie in der Mehrheit sind. Im Laufe der Jahrtausende hat sich die Verteidigung des Landes aus der Mischung der Bevölkerung organisiert, damit sich der Rest der Bevölkerung überall gegen eine mit einem möglichen Eindringling verbundene Minderheit schützen kann. Daher garantiert der syrische Staat nicht die Rechte von Minderheiten, indem er ihnen die Verwaltung verschiedener Regionen überträgt, sondern durch die Organisation von weltlichen Institutionen und einer weltlichen Verwaltung auf religiöser und ethnischer Ebene.

Russland geht heute die kurdische Frage daher anders an. Es setzte sich für den Schutz der Minderheiten im Allgemeinen und besonders von dieser kurdischen ein, aber drängte sie, sich zu entscheiden: für oder gegen die Islamisten. In der Tat, für den Augenblick kämpfen die Kurden aller Arten gegen die Islamisten, nicht weil sie Islamisten sind, sondern um Territorien zu gewinnen und sie wiederum zu ihrem Vorteil zu besetzen. Daher befahl Russland ihnen anzugeben, mit wem sie verbündet sind: Washington oder Moskau.

4- Die Türkei will ein Kurdistan in Syrien, das von den Barzani verwaltet wird

Ankara verweigert die Existenz eines syrischen Kurdistans als Rückhalts-Basis für die PKK, das sich auf seine Kosten auf die Türkei ausdehnen könnte. Ankara unterhält ein sehr gutes Verhältnis mit der regionalen Regierung des irakischen Kurdistan und hat keinen Grund, gegen die Schaffung eines syrischen Kurdistan zu sein. Deshalb hatte Präsident Recep Tayyip Erdoğan ein geheimes Abkommen mit einem der zwei Ko-Vorsitzenden der syrischen YPG geschlossen, um diesen Staat zu unterstützen. Dieses Abkommen widerstand jedoch nicht der Unterdrückung der türkischen Kurden durch den gleichen Erdoğan, nach ihrem Durchbruch in den Parlamentswahlen vom Juni 2015 [5].

Die türkischen Rechtsextremen, sei es die MHP und die Grauen Wölfe oder die Milli Görüş von Präsident Erdoğan, besitzen eine rassistische Ideologie. Laut diesen Parteien und Milizen muss die Türkei islamisch sein und auf einer türkisch-mongolischen Rasse beruhen, was die Vertreibung der Christen und Kurden gebietet. Diese Ansicht wird nicht von der Opposition geteilt, so dass eine große Anzahl von Kurden perfekt integriert ist.

Als der Gründer der Grauen Wölfe, Alparslan Türkeş, stellvertretender Ministerpräsident wurde und öffentlich die mögliche Liquidation der Kurden nach dem Modell der Liquidation der Christen während des Völkermords der Armenier und der anatolischen Griechen vom Schwarzen Meer evozierte, baut Abdullah Öcalan die PKK auf. Er bekommt politisches Asyl in Damaskus bis zum Jahr 1998, bis Ankara seinem Nachbarn droht ihn zu vernichten, wenn er ihm weiterhin Asyl gewährt. Hafez Al-Assad bittet dann Öcalan, ein anderes Gastland zu finden. Er wird schließlich vom Mossad, mit Hilfe der Kurden der KDP in Kenia entführt und in der Türkei inhaftiert.

5- Iran ist gegen die Schaffung eines Kurdistans

Etwa 4,5 Millionen Kurden sind Iraner. Sie haben eine Region, wo sie die Mehrheit bilden. Wenn sie auch rechtliche Gleichstellung haben, bleibt ihre Region Objekt der Diskriminierung und ist weniger entwickelt als jene, die mit Persern bevölkert sind.

Die Islamische Republik hängt sehr an der Unantastbarkeit der Grenzen, besonders weil die Schaffung eines neuen Staates den Separatismus von anderen Minderheiten, wie z. B. der Balutschen, fördern könnte.

Schließlich kann der Iran als Verbündeter von Syrien nicht gestatten, dass ein Kurdistan auf seine Kosten geschaffen wird.

6- Die kurdische regionale Regierung vom Irak befürwortet die Schaffung eines Groß-Kurdistans diesseits und jenseits der irakisch-syrischen Grenze

Die kurdische regionale Regierung Iraks betrachtet mit Sorge die Kurden Syriens. In der Tat, die beiden Gruppen der Bevölkerung sprechen nicht die gleiche Sprache (nämlich Gorani und Kurmandschi) und hatten eine konfliktreichen Geschichte während des Kalten Krieges. Die Kurden vom Irak filtern den Zugang der Kurden Syriens zu ihrem Hoheitsgebiet und verbieten ihn jenen, die sie verdächtigen, immer noch der türkischen PKK anzugehören.

Präsident Massoud Barzani hat seine Machtposition seit 2012 eigenmächtig verlängert und die Abhaltung von Wahlen verhindert. Er errichtete ein korruptes und autoritäres Regime und zögert nicht, seine Gegner ermorden zu lassen. Er hat das Territorium seiner Region mit Hilfe von Daesh um 40% vergrößert, die Ölfelder von Kirkuk annektiert, und dann das von Daesh gestohlene Öl über eine Pipeline verschachert. Die Eroberung der auf der Karte unten schraffierten Gegend ermöglicht eine geografische Kontinuität zwischen seinem Gebiet und einem möglichen nord-syrischen Kurdistan.

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Nachdem die kurdische regionale Regierung Iraks während der Schlacht von Ain al-Arab (Kobané) Daesh unterstützt hatte, näherte sie sich auf Antrag Washington der YPG und gab ihr symbolische Unterstützung. „Präsident“ Massoud Barzani verkündet regelmäßig, dass seine Region ihre Unabhängigkeit erklären werde und dass er dann vorhabe, einen Teil von Syrien zu annektieren. Er ist jedoch entschieden gegen die Schaffung eines Kurdistans unter der Leitung von Saleh Muslim.

7- Israel ist für die Schaffung eines Groß-Kurdistans im Irak und in Syrien, aber nicht in der Türkei

Um seine Sicherheit zu garantieren hat Israel zunächst auf die Schaffung von entmilitarisierten Zonen an seinen Grenzen, auf Kosten seiner Nachbarn, gesetzt: den ägyptischen Sinai und den Süd-Libanon. Aber mit der Entwicklung der Raketen, hat es diese Strategie aufgegeben und sowohl den Sinai als auch den Süd-Libanon evakuiert. Seit 1982 entwickelt Israel eine Strategie zur Kontrolle von hinten der drei großen Mächte in der Region, von Ägypten, Syrien und dem Irak. Dazu förderte es die Gründung eines unabhängigen Staates, des Süd-Sudan, und arbeitet heute an der Schöpfung eines Groß-Kurdistans halb auf Syrien, halb auf dem Irak.

Seit dem Kalten Krieg unterhält Israel sehr enge Beziehungen mit der Barzani-Clan, der heute im irakischen Kurdistan an der Macht ist.

8- Frankreich ist für die Lösung des Kurdenproblems ohne das türkische Gebiet einzuschränken

2011 haben die französischen und türkischen Minister für auswärtige Angelegenheiten, Alain Juppé und Ahmet Davutoğlu, einen Vertrag für die Unterstützung der Türkei in den Kriegen gegen Libyen und Syrien (der noch nicht begonnen hatte) unterzeichnet, und zwar als Gegenleistung für die Unterstützung der künftigen türkischen EU-Mitgliedschaft und für die Lösung der kurdischen Frage auf Kosten der Nachbarn der Türkei. Mit anderen Worten, Frankreich setzt sich ein, einen unabhängigen Staat zu schaffen, in Syrien, im Irak oder zugleich in beiden Ländern, um die PKK-Mitglieder dorthin zu vertreiben. Dieser Vertrag, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit plante, ist natürlich geheim geblieben und nicht von den Parlamenten ratifiziert worden.

Am 31. Oktober 2014 empfing François Hollande Präsident Recep Tayyip Erdoğan im Elysée-Palast. Einer der zwei Ko-Vorsitzenden der syrischen YPG, Saleh Muslim, kam heimlich zu ihrer Sitzung. Die drei Männer verpflichteten sich, in Syrien, auf Kosten seiner derzeitigen Bewohner ein Kurdistan zu schaffen, für welches Saleh Muslim zum „Präsidenten ernannt werden sollte“.

Jedoch nach der Schlacht von Ain al-Arab (auf kurdischem Kurmandschi: Kobané) empfing Präsident Hollande, diesmal aber offiziell, auf Antrag der Vereinigten Staaten, den anderen Co-Präsidenten der YPG, Asya Abdullah, was in Ankara (8. Februar 2015) Wut aufkommen ließ. In der Tat, Frau Abdullah gilt als eine dem Führer der PKK, Abdullah Öcalan, loyale Person und damit gegen eine Präsidentschaft von Saleh Muslim.

Nach der neuen Haltungs-Änderung von Paris als Folge der Pariser Attentate hat Frankreich durch den Sicherheitsrat die Resolution 2249 durchgebracht, militärisch gegen Daesh intervenieren zu können, was ein ausgezeichnetes Alibi für die Schaffung des neuen Staates bietet. Aber die Vereinigten Staaten und Russland wiesen im letzten Moment das französische Projekt zurück, so dass Paris ohne Zustimmung von Damaskus in Syrien nicht eingreifen könnte.

9- Die drei wichtigsten kurdischen Fraktionen sind für die Schaffung eines Kurdistans, wo auch immer, solange sie die Kontrolle darüber innehaben und nicht ihre Konkurrenten

Die Kurden haben sich während des Kalten Krieges in pro-US-amerikanische (PDK) und pro-russische (PKK) Parteien geteilt. Die YPG stellt die Flüchtlinge der PKK in Syrien dar. Zu dieser fundamentalen Trennung kommen dann noch andere hinzu, wodurch es heute etwa 20 kurdische Parteien gibt.

Die kurdische Gesellschaft ist eine Clan Gesellschaft, die an jene im Süden von Italien erinnert, in der die politische Zugehörigkeit eher durch die Familie als individuell entschieden wird.

Im 18. und 19. Jahrhundert haben die kurdischen Führer immer Allianzen mit Großmächten bevorzugt und nicht mit den Menschen, mit denen sie lebten. So zogen sie sich aus der Affäre auf Kosten der eigenen Bevölkerung; eine Situation, die an das Verhalten der maronitischen Führer im Libanon erinnert.

1974 / 75 verbündeten sich die Kurden im Irak mit den Vereinigten Staaten gegen Ahmad Hassan al-Bakr. Aber sie griffen nicht ein, als dieser sie unterdrückte. Von einem Senatsausschuss befragt, ob er sich nicht schäme sie verlassen zu haben, antwortete Staatssekretär Henry Kissinger trocken: „die Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist keine gemeinnützige Sache.“

Die kurdischen Führer, die das amerikanische Projekt akzeptiert haben mit der Hoffnung in der Zukunft einen Zugriff auf wichtige Funktionen des Staates zu bekommen, lehnen die Verantwortung für die Nakhba ab, um nicht von den künftigen Machtpositionen ausgeschlossen zu werden [6]. Es würde in der Tat genügen, die arabischen und christlichen assyrischen Bevölkerungen, die im nördlichen Syrien leben und die sie freundlich aufgenommen hatten, zu vertreiben oder zu töten.

Der heutige Einsatz von Gewalt, um jedes dieser Projekte voranzutreiben

Im Laufe des Sommers 2016 haben die Vereinigten Staaten direkt die FDS (d.h. Mitglieder der YPG und einige arabische und christliche Söldner) unterstützt, um die von Daesh besetzte Stadt Manbij einzunehmen, welche sie selbst indirekt über die Türkei unterstützen. Sofort nach dem Sieg hat das Pentagon die YPG zum Rückzug aus der gerade eroberten Stadt gezwungen, zum Vorteil von Gruppen die Gegner von Damaskus sind.

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Am 23. August 2016 haben der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und sein Kollege vom kurdischen Irak, Massoud Barzani, im weißen Palast ein Bündnis gegen die anderen Kurden geschlossen.

Am 23. August wurde der Präsident der regionalen Regierung vom irakischen Kurdistan, Massoud Barzani, von den wichtigsten türkischen Führern mit Ehren empfangen. Er bekam ein zweistündiges Interview mit Präsident Erdoğan. Das Irakische Kurdistan hat der Türkei Unterstützung gegen die Kurden der PKK geboten und mit der Türkei einen Plan ausgearbeitet, um ihre Einrichtungen in den irakischen Bergen zu zerstören. Darüber hinaus erwähnten beide Parteien die Zusammenarbeit im Energiebereich – wahrscheinlich die Art und Weise weiterhin das von Daesh gestohlene Öl zu verkaufen-.

Noch am selben Tag fiel die türkische Armee im syrischen Gebiet ein und nahm Daesh die Stadt Dscharablus (zwischen der Grenze und Manbij) weg. Dieser Vorgang erfolgte ohne Kampf, weil Daesh seinem türkischen Mentor gehorcht. Darüber hinaus gab es bis jetzt nie eine Schlacht zwischen der türkischen Armee und Daesh, weder hier noch anderswo.

Um ihren Vorteil weiter voran zu treiben ist die türkische Armee weiter vorgestoßen, indem sie Dörfer einnahm und Manbij näher rückte. Obwohl die Vereinigten Staaten ihr geboten, zu stoppen, setzte sie ihren Marsch fort. Die CIA gab darauf der YPG Anti-Tank Raketen, die sie zunächst auf die türkischen Panzer abfeuerte (aber nicht in Jarablous) und dann auf den türkischen Flughafen von Diyarbakır. Die türkische Armee hatte die Nachricht schnell kapiert und zog sich auf Jarablous zurück und übergab die Dörfer im Süden der Stadt an turkmenische Milizen, die diesmal unter der leeren Flagge der freien syrischen Armee FSA operierten.

Am Tag nach dem Besuch von Massoud Barzani besuchte auch US-Vizepräsident Joe Biden die Türkei. Als er Senator war, hatte er ein Gesetz eingereicht, um die Unabhängigkeit des Irakischen Kurdistan zu verkünden. Er hat erklärt, er habe die YPG gebeten, sich vom Westen des Euphrat Flusses – ein Gebiet, zu dem Manbij gehört-, zurückzuziehen, sonst würde Washington alle Unterstützung „für die“ Kurden beenden. Aber da Daesh bereits wissen ließ, dass es nicht die YPG östlich des Euphrat Fuß fassen lassen würde, ist es nicht klar, welches Territorium der YPG noch übrigbleibt.

Letztlich ist eine stillschweigende Vereinbarung zwischen Ankara und Damaskus entstanden, um ein von der YPG verwaltetes Kurdistan zu verhindern, während eine andere Vereinbarung zwischen dem Pentagon und der YPG formell abgeschlossen wurde, damit sie sich nicht untereinander beschießen, trotz der neuen Wende von Washington gegen die Schaffung eines Kurdistan.

Übersetzung
Horst Frohlich

[1] In diesem Artikel sind die vier großen kurdischen Parteien:
- die PKK, während des Kalten Krieges von Abdullah Öcalan geschaffene marxistisch-leninistische Partei
- die YPG, erstellt von politischen nach Syrien verbannten Türken der PKK.
- die KDP, um die Familie Barzani im Irak, deren Führer während des Kalten Krieges öffentlich für den Mossad gearbeitet haben und die mit Israel in Verbindung bleiben.
- die PUK, nahe der Familie Talabani, dem Iran nahestehend.

[2] Die Kizilbash sind ein iranischer Sufi-Orden.

[3] „Die Türkei von heute setzt den armenischen Genozid fort“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Sabine, Voltaire Netzwerk, 2. Mai 2015.

[4] „Die Vereinigten Staaten und Israel beginnen die Besiedlung des Nordens von Syrien“, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 2. November 2015.

[5] „Erdoğan: Schon 5.359 Kurden „neutralisiert““, Übersetzung Sabine, Voltaire Netzwerk, 31. März 2016.

[6] Die Nakhba (Arabisches Wort das Katastrophe bedeutet) bezieht sich auf die ethnische Säuberung und Vertreibung von 700 000 bis 750 000 Palästinensern, anlässlich der Auto-Proklamation des Staates Israel im Jahr 1948.

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