USA – US-Wirtschaft kommt nicht aus dem Loch – Ariel Noyola Rodríguez – voltairenet.org – 25.06.16 –

Veröffentlicht: Juni 25, 2016 in Deutschland, Turkey Politik
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US-Wirtschaft kommt nicht aus dem Loch

Der US-Arbeitsmarkt bricht ein. Im Mai hatte der nicht-landwirtschaftliche Bereich noch 38.000 neue Arbeitsplätze hinzugewonnen, wohingegen die Investoren der Wall Street einen Zuwachs von mehr als 160.000 Arbeitsplätzen erwartet hatten. Janet Yellen, die Präsidentin der FED hatte, nach der Sitzung des Federal Open Market Committes im Juni, keine andere Alternative, als ihren aktuellen Referenzzinssatz beizubehalten. Das Risiko einer erneuten Rezession in den USA ist bedrohlicher als jemals, auch wenn die westlichen Medien darauf bestehen, die Idee zu verbreiten, dass die größten Gefahren die wirtschaftlich Abschwächung in China und der mögliche Austritt Großbritanniens aus der EU sind.

| Mexiko-Stadt (Mexiko) | 25. Juni 2016


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Nach der letzten Sitzung des FOMC (Federal Open Market Committee), die Mitte Juni stattfand, hat Janet Yellen, die Präsidentin der Fed, angekündigt, dass der Referenzzinssatz unverändert bleibt, d.h. in einer Bandbreite zwischen 0,25 und 0,50 % [1]. Genauso scheint es, dass die FED die Kosten für Interbank-Tages-Kredite nicht vor September anheben wird.

Kurz gesagt, hat die Propaganda der Regierung Obama, die davon überzeugen sollte, dass die US-Wirtschaft sich „wieder vollständig erholen wird“ gefloppt. Es ist jetzt bereits sechs Monate her, dass die FED den Zinssatz für Staatsanleihen erhöht hat und bis heute sind keine Zeichen zu erkennen, die eine neue Erhöhung erkennen lassen würden.

Mehrfach hat die FED ihre Vorhersagen für das Wirtschaftswachstum sinken sehen: Während im März die Schätzung das Wirtschaftswachstums des BIP für dieses Jahr zwischen 2,1 und 2,3 % ansiedelte, wurde es kürzlich auf eine Bandbreite zwischen 1,9 und 2% reduziert [2]. Die Wirtschaft ist im freien Fall; noch im Dezember 2015 lag die Schätzung des Wirtschaftswachstums der FED für 2016 noch zwischen 2,3 und 2,5% [3].

Ohne Zweifel, hat die zunehmende Schwäche der stärksten Wirtschaft der G7-Gruppe, die Notenbanken dazu veranlasst, mit Vorsicht zu agieren, da jede falsche Bewegung die Risiken einer Tendenz zur Rezession beschleunigen könnten, dieses mal mit großer Wahrscheinlichkeit noch eine Deflation (Sinken der Preise) hinzuzufügen [4].

Im ersten Trimester hat das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der US-Wirtschaft mit Mühe 0,8% erreicht. Die Erholung des Arbeitsmarktes selbst bleibt zu fragil, obwohl sie als der Haupterfolg, der von der Politik der FED eingeleiteten Maßnahmen gehalten wird. Erinnern wir uns an letzten Dezember, als die Fed ihren Referenzzinssatz um 25 Punkte erhöht hat, lag die offizielle Arbeitslosenquote bei 5%, ein Wert der, von gewissen Mitgliedern des FOMC, als eine Situation der „Vollbeschäftung“ betrachtet wird.

Unterdessen wissen wir jetzt, dass die Zentralbank, geleitet von Janet Yellen falsch lag. Die letzten Daten lassen darüber keinen Zweifel aufkommen: Die Winde, die eine neue Rezession ankündigen sind sehr bedrohlich [5]. Im Mai hatte der Nicht-Landwirtschaftliche Sektor lediglich 38.000 Arbeitsplätze hinzugewonnen, die schwächste Zunahme seit 2010. Außerdem wurde für die Daten von März und April ein Rückgang verzeichnet, die Arbeitgeber haben 59.000 weniger eingestellt, als vorgesehen [6].

Daher hat auch kein Mitglied des FOMC gefeiert, dass die Arbeitslosenquote auf 4,7% gefallen ist, während parallel dazu die Erwerbsquote auf 62,6% gefallen ist: Tausende von Menschen haben, mangels Angebot, die Suche nach einem Arbeitsplatz aufgegeben [7]. Realität ist, dass die offizielle Arbeitslosenquote eine massive Unterbeschäftigung kaschiert, wenn man zwei zusätzliche Kategorien in die Statistik aufnimmt: Die Personen, welche einen Teilzeitarbeitsplatz inne haben und diejenigen, welche erst kürzlich den Arbeitsmarkt verlassen haben, würden die Zahlen von Grund auf verändern. Es gibt alternative Messungen der Arbeitslosigkeit; die Methode U-6 berücksichtigt diese beiden Kategorien, die Arbeitslosigkeit beläuft sich dann also auf 9.7%, d.h. mehr als das doppelte der offiziellen Arbeitslosigkeit [8].

Es muss festgestellt werden, dass die Schwindsucht der US-Wirtschaft hauptsächlich der extremen Investitionsschwäche der Unternehmen zuzuschreiben ist, Konsequenz einer zu geringen Kapitalrendite, oder zumindest unzureichend für den Aufbau neuer Produktionseinrichtungen, die in der Lage wären einen massiven Beschäftigungsschub zu erzeugen und auf diese Weise einen Erholungsprozess mit langem Atem auszulösen. Hinzu kommt, dass die US-Unternehmer nicht nur bei den Investitionen zurückhaltend sind, sondern auch bei den Lohnerhöhungen, eine Situation, welche eine substantielle Erhöhung der Inflation verhindert hat: Der Preisindex für Verbrauchsgüter (CPI – consumption price index) ist letzten Monat im Jahresmittel lediglich um 1,1% gestiegen.

Das Bild einer dynamischen Wirtschaft scheint sich mehr und mehr der Ankündigung, des Conference Board der USA – eine Institution damit beauftragt die weltweite Wettbewerbsfähigkeit zu beobachten – anzunähern – dass die US-Wirtschaft dieses Jahr unter der ersten Kontraktion ihres Produktionspotentials seit drei Jahrzehnten zu leiden haben wird [9]. Bei fehlender Innovation wird die US-Produktivität um 0,2% fallen. „Letztes Jahr hatten wir den Eindruck, dass wir in eine Produktivitätskrise eingetreten sind, wir sind jetzt mitten in dieser“, hat Bart van Ark, Chefökonom des renommierten Forschungszentrums erklärt.

Nichts desto trotz bestehen die traditionellen Medien auf der Verbreitung der Idee, dass, nach Ansicht der FED, die Alarmsignale außerhalb des US-Territoriums liegen. Am Anfang hat man uns gesagt, dass die wirtschaftliche Abschwächung in China eine der größten Gefahren für die Welt darstelle, vor kurzem haben sie uns gegen die starken finanziellen Turbulenzen gewarnt, die zu erwarten sind, wenn Großbritannien sich entschließen würde die EU zu verlassen – der fameuse Brexit.

Sehr wenige haben es gewagt über die große Gefahr zu forschen, welche die USA für die Weltwirtschaft darstellen: Nach den Schätzungen der Deutschen Bank, erste Investitions-Bank des europäischen Kontinents, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die USA im Lauf der nächsten zwölf Monate in eine Krise eintreten werden bereits über 55% [10]. Alles deutet darauf hin, dass früh oder spät – und eher früh als spät – die wirtschaftliche Realität sich dramatisch gegenüber der Informations-Kosmetik zur Geltung bringen wird.

Übersetzung
Ralf Hesse

Quelle
Russia Today (Russland)

[1] «Yellen espera subir las tasas, pero no será una decisión automática», Michael S. Derby, The Wall Street Journal, 15 de junio de 2016.

[2] «US: Economic projections», US Federal Reserve Bank, June 2016.

[3] «US: Economic projections», US Federal Reserve Bank, December 2015.

[4] «La deflación es la peor pesadilla para Estados Unidos», por Ariel Noyola Rodríguez, Russia Today (Rusia) , Red Voltaire , 20 de septiembre de 2015.

[5] „Der Wind einer neuen Rezession weht stark aus USA“, von Ariel Noyola Rodríguez, Übersetzung Ralf Hesse, Russia Today (Russland) , Voltaire Netzwerk, 31. März 2016.

[6] «America’s economy: When barometers go wrong», The Economist, June 11, 2016.

[7] «Labor Force Statistics from the Current Population Survey», US Bureau Labour Statistics.

[8] «Table A-15. Alternative measures of labor underutilization», US Bureau of Labor Statistics.

[9] «US productivity slips for first time in three decades», Sam Fleming and Chris Giles, Financial Times, May 25, 2016.

[10] «U.S. Recession Odds Climb to 55% as Yield Curve Flattens: Chart», Mathew Boesler, Bloomberg, June 14, 2016.

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